Wie verschiedene Erkrankungen die sexuelle Funktion beeinflussen: Krankheiten, Mechanismen, Diagnostik, Behandlungswege

Im Folgenden ein sachlicher, faktischer und detaillierter Überblick über den aktuellen Stand zu den Auswirkungen unterschiedlicher Erkrankungen auf die sexuelle Funktion von Menschen. Grundlage sind medizinische Daten, wissenschaftliche Erkenntnisse sowie allgemein anerkannte Mechanismen der Pathophysiologie. Der Text richtet sich an ein breites Publikum aus medizinisch interessierten Leserinnen und Lesern. Dies berichtet die Redaktion Glueckid.de.
Sexuelle Funktion umfasst physiologische Prozesse wie Libido (sexuelles Verlangen), Erregung, Penetration, Erektion bzw. Lubrikation, Orgasmus und Zufriedenheit. Erkrankungen können einzelne oder mehrere dieser Phasen stören, sowohl direkt durch organische Mechanismen als auch indirekt über psychologische, hormonelle oder medikamentöse Effekte. Die Wirkmechanismen reichen von vaskulären Veränderungen bis zu neurologischen Störungen und Hormonfehlregulationen. Eine fundierte Diagnose und gezielte Therapie durch Fachpersonen (z. B. Urologinnen/Urologen, Endokrinologinnen/Endokrinologen, Sexologinnen/Sexologen) sind erforderlich.
Einfluss chronischer körperlicher Erkrankungen auf sexuelle Funktionen
Diabetes mellitus und sexuelle Funktion
Bei Diabetes mellitus kann eine langjährige Hyperglykämie zu Gefäß- und Nervenschäden führen, die die sexuelle Reaktion beeinträchtigen. Bei Männern manifestiert sich dies häufig als erektile Dysfunktion (ED), bei Frauen als reduzierte Lubrikation und Schwierigkeiten bei der Erregung. Mechanismen sind diabetische Neuropathie sowie arterielle Mikro- und Makrovaskulopathie. Darüber hinaus sind hormonelle Störungen wie niedrige Testosteronspiegel bei Männern berichtet worden, die zusätzlich das sexuelle Verlangen mindern können. Langfristig schlecht kontrollierter Blutzucker steigert das Risiko für diese Komplikationen deutlich.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit und arterielle Hypertonie beeinflussen die Blutversorgung der Genitalien. Störungen der vaskulären Durchblutung verringern die Erektionsfähigkeit bei Männern und können bei Frauen die Lubrikation und Erregung beeinträchtigen. Viele antihypertensive Medikamente (z. B. Beta-Blocker, Diuretika) haben ebenfalls sexuelle Nebenwirkungen wie Libidoverlust oder Erektionsprobleme. Bei Patienten mit instabiler Angina oder fortgeschrittener Herzinsuffizienz wird vor Aufnahme von sexueller Aktivität eine ärztliche Abklärung empfohlen, da eine erhöhte körperliche Belastung vorübergehend relevant sein kann.
Neurologische Erkrankungen
Neurologische Störungen (z. B. Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit, Schlaganfälle, Rückenmarksverletzungen) können die sexuellen Reflexe, Nervenleitungen und Wahrnehmung stören. Die Signalübertragung zwischen Gehirn und Genitalorganen ist essentiell für Erregung, Orgasmus und Ejakulation/Lubrikation; eine Disruption dieser Bahnen führt häufig zu vermindertem Verlangen, Funktionsstörungen in der Erektion/Lubrikation oder Problemen beim Orgasmus.
Chronische Schmerz- und Entzündungszustände
Erkrankungen wie Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) oder chronische Beckenschmerzen führen zu Schmerzen bei Bewegung und in Ruhe, was die Sexualität durch verminderte Mobilität, gesteigertes Schmerzempfinden und daraus resultierende Angst vor Schmerzen beeinträchtigt. Medikamente, die zur Entzündungshemmung eingesetzt werden (z. B. Kortikosteroide), können zusätzliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Libidoverlust haben.
Endokrine und hormonelle Störungen
Hormonelle Ungleichgewichte, wie sie bei PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom), Hypogonadismus (niedrige Testosteronwerte bei Männern) oder Schilddrüsenerkrankungen vorkommen, beeinflussen Libido und sexuelle Funktion. Bei hormonellen Abweichungen sind sexuelle Dysfunktionen wie vermindertes sexuelles Verlangen, Dysregulation des Erregungszyklus und reduzierte Orgasmusfähigkeit beschrieben. Therapie erfolgt häufig über Hormonregulation in Zusammenarbeit mit Endokrinologen.

Psychische Erkrankungen und ihre Auswirkungen
Depression, Angst- und Stressstörungen
Psychische Störungen reduzieren die Libido und können Erregungs- und Orgasmusphasen beeinträchtigen. Depression wird oft begleitet von Anhedonie (vermindertem Lustempfinden) und vermindertem Energielevel. Zudem können antidepressiva Therapien (z. B. SSRI) selbst sexuelle Nebenwirkungen wie eingeschränkte Erregung und verzögerten Orgasmus verursachen. Auch Angststörungen wirken sich durch gesteigerte Leistungsangst und verminderte sexuelle Initiative aus.
Spezifische medizinische Zustände
Peyronie-Krankheit
Die Peyronie-Krankheit ist eine strukturelle Veränderung des Penis mit Bildung von fibrösem Gewebe, das zu einer Peniskrümmung, Schmerzen und Beeinträchtigung der Erektion führt. Etwa 30 – 70 % der Betroffenen entwickeln zusätzlich eine erektile Dysfunktion.
Persistierendes genitales Erregungssyndrom (PGAD)
PGAD ist ein seltenes Syndrom mit anhaltender, unerwünschter Erregung, die unabhängig von sexuellem Verlangen auftritt und durch neurologische oder vaskuläre Faktoren begünstigt wird. Es kann Stunden oder Tage persistieren und erfordert oft interdisziplinäre Behandlung.
Medikamentöse und therapeutische Einflüsse
Viele Medikamente aus den Bereichen Kardiologie, Psychiatrie und Endokrinologie beeinflussen sexuelle Funktionen. Dazu gehören Blutdruckmedikamente, Antidepressiva, Hormontherapien und Schmerzmittel. Bei Auftreten von sexuellen Nebenwirkungen ist eine ärztliche Rücksprache über Anpassung der Medikation notwendig.
Diagnostik und Behandlung
Schritte zur Abklärung
- Anamnese und klinische Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte, sexueller Symptome, Medikation, Lebensstil.
- Labordiagnostik: Hormone (Testosteron, Estradiol, Schilddrüsenwerte), Blutzucker, Lipidprofil.
- Spezielle Tests: Gefäßuntersuchungen, Neurologie-Checks, Endotheltests, Ultraschall bei erektiler Dysfunktion.
- Psychologische Bewertung: Screening auf Depression, Angststörungen oder Stressfaktoren.
Therapeutische Ansätze
- Medizinische Behandlung: PDE‑5‑Hemmer (z. B. Sildenafil), Hormonersatz, medikamentöse Anpassung.
- Physiotherapie: Beckenbodenübungen, Schmerzmanagement.
- Psychotherapie/Sexologie: Kognitive Therapie, Paarberatung, Verhaltensmethoden.
- Lebensstiländerungen: Ernährung, Bewegung, Rauchstopp, optimierte Schlafhygiene.

Übersicht: Erkrankungen und typische sexuelle Effekte
| Erkrankung/Bedinung | Häufige sexuelle Effekte |
|---|---|
| Diabetes mellitus | Erektile Dysfunktion, reduzierte Lubrikation, Libidoverlust |
| Herz-Kreislauf-Erkrankung | verminderte Durchblutung, Erektionsprobleme |
| Neurologische Erkrankungen | gestörte Nervenleitung, verminderte Erregung, Orgasmusprobleme |
| Depression/Angststörungen | Libidoverlust, Erregungsstörung, verzögerter Orgasmus |
| Hormonelle Störungen | Störung des Verlangens, arousaler dysregulation |
| Strukturelle Erkrankungen (z. B. Peyronie) | Schmerzen, erektile Probleme |
| Chronische Schmerzen | verminderte Aktivität, verminderte Lust |
Konkrete Orte und Anlaufstellen
- In Deutschland wenden sich Betroffene an Fachärzte für Urologie, Endokrinologie oder Psychiatrie.
- Sexologische Beratung gibt es unter anderem an spezialisierten Kliniken und durch niedergelassene Sexologinnen/Sexologen.
- Für Diagnostik und Therapie können Patientinnen/Patienten die Webseiten nationaler Fachgesellschaften nutzen (z. B. www.DGSex.de – Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung).
- In akuten Fällen sind Hausärztinnen/Hausärzte erste Anlaufstelle.
Sexuelle Funktion kann durch eine breite Palette körperlicher und psychischer Erkrankungen beeinträchtigt werden. Solche Beeinträchtigungen sind medizinisch erklärbar, behandelbar und häufig reversibel oder therapierbar durch gezielte Diagnostik, Anpassung von Medikamenten und interdisziplinäre Therapien. Eine offene Kommunikation mit Fachpersonen ist zentral für adäquate Versorgung.
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