Familie oder getrennte Haushalte: Welche Beziehungsformen wollen die Deutschen

Familie oder getrennte Haushalte: Welche Beziehungsformen wollen die Deutschen

Die Beziehungsstrukturen in Deutschland erleben im Jahr 2026 einen signifikanten Wandel, wie aus den neuesten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) hervorgeht. Während die klassische Kernfamilie mit 68 Prozent weiterhin das dominierende Modell darstellt, stieg die Zahl der Personen, die das Modell „Living Apart Together“ (LAT) bevorzugen, auf einen Rekordwert von 14 Prozent bei den 25- bis 45-Jährigen. Parallel dazu verzeichneten Standesämter im vergangenen Jahr einen Rückgang der Eheschließungen um 4,2 Prozent auf insgesamt 345.000 Fälle. Diese Entwicklung wird durch steigende Immobilienpreise in Ballungszentren und veränderte Arbeitsmarktbedingungen forciert. Die Bundesregierung reagiert darauf mit einer Anpassung des Familienrechts, die ab dem 1. Juli 2026 flexiblere rechtliche Absicherungen für außereheliche Lebensgemeinschaften sieht. Dies berichtet die Redaktion Glueckid.de.

Demografischer Wandel und statistische Trends 2026

Die aktuelle Datenlage des Statistischen Bundesamtes verdeutlicht eine zunehmende Pluralisierung der Lebensformen. Während im Jahr 1996 noch der Großteil der Bevölkerung in klassischen Ehehaushalten lebte, hat sich dieser Anteil bis zum ersten Quartal 2026 kontinuierlich verringert. Ein wesentlicher Indikator ist die Haushaltsgröße: Fast 41 Prozent aller Privathaushalte in Deutschland sind mittlerweile Einpersonenhaushalte. In Metropolen wie Berlin oder Hamburg liegt dieser Wert sogar bei über 50 Prozent.

Die Ursachen für diesen Wandel sind vielschichtig. Neben einer verstärkten Individualisierung spielen ökonomische Zwänge eine entscheidende Rolle. Die durchschnittlichen Mietpreise für Neuvermietungen sind in deutschen Großstädten auf bis zu 19,50 Euro pro Quadratmeter kalt gestiegen. Paare stehen oft vor der Wahl, entweder eine gemeinsame, teure Wohnung im Zentrum zu beziehen oder zwei kleinere, preiswertere Einheiten in Randlagen zu behalten. Letzteres fördert das Modell der getrennten Haushalte trotz fester Partnerschaft.

Living Apart Together: Autonomie als Beziehungsideal

Das Modell „Living Apart Together“ (LAT) hat sich von einer Randerscheinung zu einer etablierten Lebensform entwickelt. Laut BiB-Studien vom Februar 2026 geben 14 Prozent der liierten, aber nicht zusammenlebenden Deutschen an, bewusst getrennte Wohnungen zu bevorzugen. Die Gründe hierfür liegen primär in dem Wunsch nach persönlicher Autonomie, der Vermeidung von Alltagsroutine und der Beibehaltung individueller Rückzugsorte.

Besonders in der Alterskohorte der über 50-Jährigen, die oft bereits eine Ehe oder längere Kohabitation hinter sich haben, steigt das Interesse an diesem Modell. Hier steht die emotionale Bindung im Vordergrund, während die logistische und finanzielle Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Diese Paare teilen Freizeit, Urlaub und soziale Kontakte, verzichten jedoch auf die gemeinsame Haushaltsführung.

Die rechtliche Neuerung: Die Verantwortungsgemeinschaft

Um den veränderten Realitäten gerecht zu werden, führt das Bundesministerium der Justiz zum 1. Juli 2026 das Rechtsinstitut der Verantwortungsgemeinschaft ein. Dies ist die weitreichendste Reform des Familienrechts seit Jahrzehnten. Sie richtet sich an Menschen, die füreinander Verantwortung übernehmen wollen, ohne zu heiraten.

Eckpunkte der neuen Regelung:

  • Vertretungsmacht: Gegenseitige Vertretung in medizinischen Angelegenheiten ohne explizite Vorsorgevollmacht (nach Registrierung).
  • Auskunftsrechte: Informationsrechte gegenüber Ärzten und Pflegepersonal.
  • Mietrecht: Erleichterte Übernahme von Mietverträgen im Todesfall eines Partners.
  • Kosten: Die Registrierung beim Standesamt wird bundesweit einheitlich 120 Euro kosten.

Interessierte Bürger können sich ab Mai 2026 auf dem Portal des Bundesjustizministeriums (bmj.de) über die notwendigen Dokumente informieren. Erforderlich sind in der Regel die Geburtsurkunden, Personalausweise und eine gemeinsame Erklärung über den Umfang der Verantwortungsgemeinschaft.

Wirtschaftliche Auswirkungen auf Paare und Familien

Die finanzielle Situation von Paaren in Deutschland wird 2026 stark von der Steuergesetzgebung beeinflusst. Das Ehegattensplitting steht weiterhin in der politischen Debatte, bleibt jedoch vorerst bestehen. Dennoch kalkulieren immer mehr Paare die Kosten einer gemeinsamen Haushaltsführung gegen die Flexibilität getrennter Wohnsitze.

Kostenvergleich der Lebensmodelle (Beispielrechnung 2026)

KostenfaktorGemeinsamer Haushalt (München)Getrennte Haushalte (LAT)
Durchschnittsmiete (warm)2.100 Euro (3-Zimmer)2 x 1.100 Euro (2-Zimmer)
Strom/Internet/GEZ180 Euro320 Euro
MobilitätskostenNiedriger (ein Fahrzeug möglich)Höher (Pendelaufwand)
Steuerliche VorteileJa (bei Ehe)Nein
Rechtliche AbsicherungAutomatisch (Ehe)Via Vertrag/Verantwortungsgemeinschaft

Psychologische Aspekte und gesellschaftliche Akzeptanz

Soziologische Institute stellen fest, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für unkonventionelle Beziehungsformen 2026 ein neues Hoch erreicht hat. Die Stigmatisierung von Alleinlebenden oder Paaren in getrennten Wohnungen ist nahezu verschwunden. Psychologisch gesehen bietet LAT vielen Menschen einen Schutzraum gegen die Überforderung durch ständige Verfügbarkeit.

Gleichzeitig bleibt der Wunsch nach einer stabilen Kernfamilie bei jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) mit über 75 Prozent überraschend hoch. Es zeigt sich eine Polarisierung: Auf der einen Seite steht der Wunsch nach maximaler Freiheit und Selbstverwirklichung, auf der anderen die Sehnsucht nach traditioneller Sicherheit in unsicheren globalen Zeiten.

Handlungsempfehlungen für Bürger

Für Paare, die ihre Beziehungsform rechtlich oder finanziell absichern möchten, bieten sich 2026 folgende Anlaufstellen:

  1. Standesämter: Beratung zur neuen Verantwortungsgemeinschaft ab Mai 2026.
  2. Notare: Erstellung von Partnerschaftsverträgen für Paare, die über die staatlichen Basisregelungen hinausgehen wollen (Kosten ca. 500–1.200 Euro).
  3. Erziehungs- und Familienberatungsstellen: Unterstützung bei der Gestaltung von LAT-Modellen mit Kindern.
  4. Verbraucherzentralen: Prüfung von Versicherungsverträgen (Haftpflicht/Hausrat), die oft Rabatte für Paare im selben Haushalt gewähren.

Informationen zu aktuellen Fördermitteln für Familien und Wohngeldansprüchen bei getrennt lebenden Partnern sind unter bmfsfj.de und bundesregierung.de abrufbar.

Die Entscheidung über die Lebensform bleibt in Deutschland 2026 eine hochindividuelle Abwägung zwischen staatlichen Anreizen, ökonomischer Notwendigkeit und persönlichen Freiheitswerten. Während die rechtlichen Hürden für alternative Modelle sinken, bleiben die ökonomischen Herausforderungen des Wohnungsmarktes der treibende Keil zwischen Wunsch und Realität vieler Paare.

Bleiben Sie achtsam und informiert – über Psychologie, Gesundheit und Bewusstsein. Lesen Sie auch: Emotionale Intelligenz: Beziehungen auf Distanz 2026: Wie Paare Liebe und Nähe bewahren können